Zitat zum Thema Protest
Verfasst von Daniel Philip Schuster am 18. Juli 2008“Früher fand die Revolution auf der Straße statt. Heute täglich aber zwecklos in der Presse.”
Von Daniel Philip Schuster

“Früher fand die Revolution auf der Straße statt. Heute täglich aber zwecklos in der Presse.”
Von Daniel Philip Schuster

Es ist heiß. Sehr heiß. Gefühlte 35 Grad. Zeit, dieses Thema im E-Mail-Chat aufzugreifen.
Daniel: Wenn ich eine Polarkappe wäre, würde ich jetzt schmelzen.
Jennifer: Und was hätte ich dann davon?
Daniel: Du würdest ertrinken, und das wäre bei diesen Temperaturen nicht zwingend vom Nachteil.

So ein ähnlicher Satz dürfte gestern wohl im neuen Madame Tussauds in Berlin zu hören gewesen sein. Ein 41jähriger Mann riss am ersten öffentlichen Tag des Wachsfiguren-Hauses Hitler den Kopf ab. Was mich eben zu folgender spontanen Aussage brachte: “Hitler ohne Kopf? Ändert sich ja nicht viel.”
Ich bin sehr gespannt wie die Presse darüber berichten wird. Ein Passant wollte den Mann daran hindern. Ich könnte mir durchaus vorstellen, die BILD Zeitung wird spätestens morgen die Deutschen auffordern: “Sperrt diesen verrückten weg!”. Also den Mann, der ihn aufhalten wollte. Es ist ja schon komisch genug, dass sich halb Presse-Deutschland über die Figur aufregt. Ja, was soll der Führer denn als Wachsfigur anrichten, außer geschichtlich zu informieren? Achso, ja. Wegen den Eintrittsgeldern. Man verdient mit dem grausamen Diktator Geld. Ohne ihn zu fragen. Ohne die Opfer zu fragen. Ohne Guido Knopp zu fragen.
Die ganze Aufregung, die in den letzten Wochen den Medien zu entnehmen war, endet nun mit der Enthauptung Hitlers. Ein Moment, den man vielleicht noch nachträglich in die Geschichte des zweiten Weltkrieges aufnehmen sollte. Denn welcher Bösewicht kann schon von sich enthaupten… Pardon: behaupten, sich erst in einen Bunker eingesperrt, dann erschossen zu haben, danach verbrannt worden zu sein und dann, über 60 Jahre später, noch eine Enthauptung am eigenen Leib erfahren zu können… Wow! Respekt: Hitler hat sich durch seine Taten tatsächlich unsterblich gemacht. Es mag einen fast so vorkommen, vergeht doch kaum eine Woche, inder nicht über den Mann mit dem steif gewordenen Tennisarm und der modischen Intimfrisur im Gesicht berichtet wird. Göbbels hätte einen Orden dafür bekommen, wenn er es geschaft hätte, innerhalb eines Monats so viel über seinen geliebten Führer schreiben zu lassen.
Warum mich das ganze so erregt? Nun: Lasst Hitler doch einfach mal da blöd in der Gegend stehen. Er hat im Prinzip früher nie etwas anderes gemacht. Der tut heute nix mehr, außer doof gucken. Jeder Pudel einer rechtsradikalin Rentnerin ist aggressiver und böswilliger als diese Puppe aus Wachs. Man könnte ihm theoretisch ein Haarreif aufsetzen und er könnte nichts machen. Man könnte sich als Jude, Schwuler oder Swing-Liebhaber neben ihn stellen und er wird nichts tun, außer nach vorne starren. Man könnte sich vor ihn stellen und sagen: “Es gibt überall Krieg auf der Welt. Und Du kannst das nicht miterleben. Ha! Ha!”
Ist das nicht eigentlich wunderbar? Nebenbei werden seine Tätigkeiten sogar noch ausführlich erklärt. Die Kinder bekommen also durchaus vermittelt das dieser Mann mit den fettigen Haaren “voll uncool” und viel mehr als “Aggro” ist. Die Medien hingegen machen aus ihn eine art Helden des Bösen. Sie skizzieren einen kranken, dämlichen Mann als die intelligente Boshaftigkeit schlechthin, anstatt doch einfach darüber zu berichten, wie Leuten Geschichte näher gebracht wird. Und mehr nicht.

Sagt Ihnen der Begriff “Abu-Ghuraib” noch etwas? Richtig! Es handelt sich hier bei um ein Gefängnis im Irak, welches insbesondere leider erst durch einen Folter-Skandal im Jahre 2004, und anschließend 2006 noch einmal größere Aufmerksamkeit erregte. Jetzt kam es zu einem neuen großen Skandal:
Das Gefängnis ist in Wirklichkeit gar kein Gefängnis gewesen, sondern ein Partyraum der Freiwilligen Feuerwehr Oer-Erkenschwick, die dort Aufnahmerituale und Familienfeste gefeiert haben. Nun wurden neue Fotos aus “Abu-Ghuraib” veröffentlicht. Ebenso wurde jetzt bekannt, dass der spaßige Festsaal mit anliegendem Wasserspielplatz trotz des fremd wirkenden Namens “Abu-Ghuraib” nicht im Irak liegt, sondern in NRW:
“Der Name war eine Art Verschleierungstaktik von uns gewesen”, sagte einer der Anwesenden. Er führt weiter aus: “Wir haben uns diesen Namen ausgesucht, um nicht in Verdacht zu kommen, hier in Deutschland zu feiern. Wir wollten keine deutschen FKKler anzlocken. Auch Fernsehsender sollten bewusst von unseren Events ferngehalten werden - Pro7 hätte zum Beispiel eine eigene Fernsehshow mit Gülcan und Kader Loth produziert, wenn Sie von uns gehört hätten. Ich bin mir sicher, jetzt wird unser Konzept kopiert.”
Man habe sich mit den Spielen an vergangene und laufende Fernsehevents wie “Die Alm”, “Big Brother” oder “Menschen, Tiere und Doktoren” orientiert. Die verwendete Schuhcreme, mit der einer der Penisse eingeschmiert wurde, sowie der gepflegte Vorgarten und die fetten Bäuche sind eindeutige Zeichen für einen Ort in Deutschland.
Im Irak beispielsweise hätten die Passanten zumindest noch eine amerikanische Flagge als Knebel im Mund gehabt. Da können wir doch gespannt sein, welche Rücktritte wir zu erwarten haben - Und damit sind nicht die gemeint, die auf den Bildern zu sehen sind. Auf die sexuelle Vielseitigkeit der Deutschen!

Es ist unglaublich. Da bin ich auf der Suche nach einem passenden Geburtstagsgeschenk für mich selbst und werde überrascht. Ich könnte das Schnäppchen meines Lebens schlagen. Vielleicht sollte ich mir gleich mehrere bestellen und teuer verkaufen? Und ich hatte schon immer das Gefühl, bei Amazon zu sparen.

Lesefaul? Diesen Beitrag gibt es auch zum anhören:
Link: MP3
Ein großes Unheil naht: Jens Böhrnsen, seines Zeichens Bürgermeister meiner geliebten Heimat- und Hansestadt Bremen, verbietete nun Dieter Bohlen und seinem Gefolge, Castings für “Deutschland sucht den Superstar” im Bremer Rathaus zu veranstalten: “Die Kandidatinnen und Kandidaten werden bei der Sendung vor einem Millionenpublikum mit Häme, Spott und Beleidigungen überzogen und lächerlich gemacht”, sagte der Sozialdemokrat. Nun wird in diversen Medien darüber berichtet.
Der oft zitierte “Konter” Bohlens, der selbstverständlich auf Bild.de veröffentlicht wurde, ist eine klare Ansage Bohlens gegenüber der großintellektuellen Minderheit in Deutschland: “Ich finde es sehr seltsam, wenn Politiker glauben, sie könnten ihren Wählern sagen, was sie gut und schlecht finden sollen. Bei uns kommen die Leute freiwillig, weil sie Spaß an der Sendung haben. Diesen Spaß hat der Bürgermeister den Bremern jetzt genommen.”
Es ist Bohlen wohl nicht bewusst, was er mit dieser Aussage einleitet. Eine eiskalte Revolution. Blutig. Schmierig. Und voller schrecklicher Ideen. So, wie das Fernsehprogramm von RTL ohnehin schon ist. Wir, die wenigen Kämpfer, die wie immer gehofft haben: “Ja, es gibt noch solche Dinge wie Niveau oder Gerechtigkeit”, wir werden vernichtet.
Ich sehe schon hunderte Hauptschüler, Arbeitslose und/oder Modern Talking Fans um den Bremer Roland herum stehen die voller Inbrunst brüllen: “Hängt ihn auf!”, “Nieder der Oberschicht” oder einfach nur: “Halte du doch der Fresse, die Arschkopf, du.”
Ich sehe Menschen, die gerade vielleicht 14 Jahre alt sind. Auch jüngere und wesentlich ältere sind dabei. Ganze Familien, die in diesen Tagen das erste Mal was anderes unternehmen, statt zusammen Fernsehen zu schauen. Sie haben T-Shirts am schwitzigen Körper kleben, auf denen “Diedder” steht, und lieben es, sich von der männlichen Oberdomina der modernen Jugendkultur im Glitzeranzug kräftig den ohnehin leeren Kopf einschlagen zu lassen.
Ich sehe achtjährige Mädchen die sich vor dem Rathaus anzünden, weil ihre Eltern Sie nach dem verlorenen “Germanys next Topmodel” Casting zuhause rausgeschmissen haben - Und nach dem nicht-stattfinden von DSDS in Bremen nun gar keine Einzige Möglichkeit besteht, irgendwie noch Fernsehvakuum zu werden.
Diese Menschen werden den netten Jens abwählen. Egal, ob es die anderen wollen oder nicht. Es wird etwas wie eine Diktatur geben. Ja! Bohlen als Bürgermeister von Bremen! Und er wird einiges ändern. Schulen werden abgeschaft, RTL wird der einzige Sender sein, der in Bremen empfangbar ist. Es wird eine menschenverachtende Zeit werden. Der “Weser Kurier” wird eingestellt - Die “BILD Bremen” übernimmt das Ruder. Der Chefredakteur der Lokalausgabe wird Bremer Propagandaminister und kontrolliert, dass immer etwas über die “Neue singende dumme Arbeiterpartei” berichtet wird.
Der Roland bekommt eine Gitarre umgehängt, die “Unser lieben Frauen Kirche” wird Bohlens neues Museum für seine verlassenen Frauen. Später zieht er selbst dort ein, weil es so schön Einbruchssicher ist. Slles intelligente, was Bremen noch hat, wird abgeschafft: Das Space-Park-Areal. Die 1-Euro-Shops in der Obernstraße. Bremen-Walle. Auch alles musikalisch Schöne wird vernichtet. Denn der, der über viele Jugendliche urteilt, kann selber, wir dürfen es nicht vergessen, musikalisch rein gar nichts, außer in hoher Stimmlage singen und überbewertete Popsongs schreiben. Das bekommt auch ein Penner hin, dem aufgrund seiner kranken Einstellung gegenüber Sex mit Frauen schon einige Male in die Nüsse getreten wurde.
Doch ein Lichtblick bleibt: Die Bremer Stadtmusikanten - Sie bleiben. Denn ein Hahn, eine Katze, ein Hund und ein Esel singen genauso gut wie Bohlen selbst. Und das gefällt.

Gesehen. Verliebt. Weitergesagt.


Eingereicht von Silke, herzlichen Dank!

Ja, es wird derzeit viel über die EM berichtet. Aber zum Glück sind die Inhalte immer äußerst wichtig, es gibt immer gute und wirklich intelligente Experten, viele neue I n f o s und, nicht zu vergessen: Überparteiliche Berichterstattung. Wollte es nur kurz angemerkt haben. Bravo!

Kennen Sie diese Problematik, ein bestimmtes Wort immer und immer wieder in Ihren Unterredungen zu verwenden? Eine ominöse Eigenschaft, die der Mensch sich im Laufe der Zeit angeeignet hat, finden Sie nicht? Jeder von uns benutzt ein bestimmtes Wort oft mehrmals am Tag. “Schalalalaaaand” zum Beispiel. Oder “Benzinpreiserhöhung”.
Es ist diese Woche ganz besonders schlimm bei mir. Ich möchte fast sagen: Es ist krankhaft. Dieses eine sporadische Wort. Ich benutze es nach fast jedem zweiten Satz, während ich spreche. Ich verstecke mich inzwischen sogar hinter einer Sonnenbrille, weil es mir so unglaublich peinlich ist. Ich sage immer und immer wieder: “Eric?!”
Meine Nachbarn schauen schockiert, meine Eltern irritiert. “Wer ist Eric?” fragte wutentbrand mein Gatte. Und ich kann die Frage nur bedingt richtig beantworten: “Der Kollege von diesem Typen mit den orangen Haaren. In dieser komischen Serie mit drei Buchstaben, in der alle Darsteller von Neonröhren bestrahlt werden, als wäre die Pathologie eine Disko in den 70er Jahren. Auf diesem niveaulosen Sender mit drei Buchstaben.”
Ein Phänomen. Eine Seuche. Ich habe bereits Freunde und Feinde mit diesem Wortfetzen angesteckt. Es muss wohl so sein, wie damals bei Star Trek. Nachdem Commander Spock ein paar Folgen hinter sich hatte, entdeckten viele Deutsche das Wort: “Faszinierend”. Faszinierend. Auch er war von diesem Virus befallen, dieser neurotischen Drehbuchkrankheit. Als wenn irgendetwas übernatürliches einen dazu zwingt, ein Wort oder ein Satz immer wieder zu wiederholen. Auch 9Live Moderatoren und Bild-Schlagzeilen-Texter sind übrigens unheilbar an dieser grauenvollen Krankheit zu Grunde gegangen.
“Eric?!” Man kann es gar nicht oft genug sagen. Es ist, ich habe es gerade herausgesucht, ein Zitat aus der Fernsehserie “CSI Miami”, die derzeit auf RTL versendet wird. Und zwar direkt vor meiner derzeitigen Lieblingsserie “Dr. House”. Eric ist ein Charakter, der motorisch in ziemlich jeder Folge auftaucht. Der Charakter an sich ist nicht weiter interessant, nur die Momente, in dem Horatio (Ja, wieder so ein spannender Name!) dem aufmerksamen Zuschauer vermitteln will, dass er nun mit Eric spricht. Und das tut er zumeist mit: “Eric?!”
Es passt praktisch in jede Situation. Auf Kindergeburtstage, Beerdigungen, in Gerichtsverfahren, in der Psychatrie, während eines Schusswechsels, beim einkaufen, beim Sex, einparken oder kurz vor dem Abspann. Ein wörtlicher Universaleinwurf, der vielseitig einsetzbar ist. Würde ich Kinder haben, weitere Haustiere, würde ich eine Duftserie auf den Markt bringen, eine Zeitmaschine entwickeln, ein Mittel gegen Aids finden oder ein Möbelstück bei Ikea benennen dürfen - “Eric?!” wäre mein erster Einfall.
In der Serie selbst wird diese kreative Sprachexplosion auch vielseitig abgeändert: So wird aus “Eric?!” gerne mal auch “Eric.” oder “Eric!”. Selbst als Ergänzung passt es wunderbar in das ohnehin intellektuelle Drehbuch der Serie: “Er ist tot, Eric.”, sagt Horatio zu Eric, worauf Eric nicht “Eric!” oder “Eric?” antwortet, wie man es anhand des Namen von Eric “The Eric” Eric vermuten könnte, sondern: “Wie kann das sein?”. Man müsste hinzufügen: Ganz ohne Eric.
Das frage ich mich auch. Wie kann man diesen Namen dauernd in das Drehbuch einbauen? Ich würde gerne eine Antwort auf diese Frage bekommen. Falls sich noch jemand angesteckt hat - Bitte melden! Ich komme nicht mehr aus dem Haus, ohne meine Sonnenbrille abzunehmen, nachdenklich nach unten zu schauen und zu sagen: “Eric?!”. Und bevor mir noch ein Bettler in der Fußgängerzone den Stinkefinger zeigt, hätte ich gerne ein Gegenmittel. Bedankt.
